Ausgerechnet... Mathematik und konkrete Kunst

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Rezension - Ausgerechnet... Mathematik und konkrete Kunst

Das Buch "Ausgerechnet... Mathematik und konkrete Kunst" ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung von 2007 im Museum im Kulturspeicher Würzburg. Die 13 Kapitel und das Vorwort wurden von Mathematiklehrern, Kunsthistorikern, Professoren und Doktoren der Mathematik und deren Studenten geschrieben. Ausstellung und Buch befassen sich mit der Beziehung und dem Zusammenspiel von Kunst und Mathematik sowie dem mathematischen Hintergrund von der Kunst im allgemeinen und Werken im Speziellen.

Im folgenden möchte ich einige Beispiele bringen, um dies zu konkretisieren:
Der Künstler Malewitsch schuf einige Werke, wo Spuren von Konstruktionen zu sehen sind, und die Konstruktionen zur Anordnung der Bildelemente nachvollzogen werden können. Malewitsch orientierte sich an markanten Linien im Bildformat, wie Diagonalen, und zeichnete Kreise um Eckpunkte und Seitenmittelpunkte, um so die Position der Bildelemente zu bestimmen.

Die Spirale gehört zu den Grundformen, die schon immer in der Kunst genutzt wurden, egal zu welcher Zeit. Inspiriert von der Natur, und theoretisch entdeckt von der Mathematik, wurde sie von zahlreichen Künstlern wie Paul Klee, Johannes Itten und Friedensreich Hundertwasser verwendet. So war auch für "Der Brunnen des Lebens" Grundlage die logarithmische Spirale.
Grundlage für die Planung der Proportionen der Kuppel des Doms von Florenz bilden die Fibonacci-Zahlen 55, 89 und 144 und die halbierten Fibonacci-Zahlen 17 und 72.
Abbildung 1: Das Cover zeigt einen Ausschnitt aus François Morellets Installation "40 000 Quadrate"
Das Wandobjekt TREM von Rudolf Valenta besteht aus 4 Stahlprofilen, die mit einem Gelenkmechanismus verbunden sind. Geometrie hilft, die Ausmaße und das Potential des Werkes zu erfassen.
Die Fassade des Kulturspeichers, in der die Ausstellung "Ausgerechnet... Mathematik und konkrete Kunst" stattfand, ist mit einer Neonistallation versehen. Auf den ersten Blick scheinen es senkrechte, in willkürlichen Abständen angeordnete Neonröhren zu sein. Sie stellen jedoch die Initialen des Kulturspeichers dar, die im ASCII-Code verschlüsselt wurden.
Ich finde das Buch sehr interessant und hätte mir auch gern die Ausstellung angeschaut. Der Stil, in dem das Buch geschrieben ist, ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Am Anfang fand ich es schwer und mühsam zu lesen, da doch einige Fachwörter verwendet, lange, komplizierte Sätze gebildet und philosophische Gedanken vorgestellt werden. Widmet man sich allerdings ganz dem Buch, entstehen erstaunliche Bilder im Kopf. Die experimentellen, für mich neuen Gedanken verleihen dem Buch etwas Leichtes. Man kann sich im Nachvollziehen der Ideen verlieren und ganz neue Welten entdecken. Das Schöne an diesem Buch ist auch, dass es von vielen (15) Autoren geschrieben wurde und daher sehr abwechslungsreich und vielfältig ist. Es werden verschiedene Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Ein Schwäche des Buches ist, dass Beispiele oftmals nur angeschnitten, nicht aber verständlich und lückenlos erklärt werden. Das veranlasst mich zu der Vermutung, dass das Buch für Personen geschrieben ist, die tiefer in der Mathematik stecken und sich mit den Themen schon befasst haben.

Kunst

Das Buch widmet sich in seinen 13 Kapiteln z. B. dem "Goldenen Schnitt", 3D-Computergrafik, der Fibonacci-Zahl 144, den Spiralen oder einfach der Schönheit der Mathematik. Im Anschluss werden die Werke der Ausstellung gezeigt, auf die im Buch verwiesen wird, allerdings leider nur zu Anfang. Zu manchen Werken gibt es auch konkrete Fragen und Aufgaben. Die Lösungen dazu befinden sich auf den letzten Seiten. Ich finde die Aufgaben sehr komplex und ich denke, sie eignen sich auch ganz gut für eine rote "Aufgabe der Woche".
Mein Lieblingskapitel ist das Kapitel "Spiralen in Kunst und Mathematik" von Johanna Heitzer. In dem Kapitel beleuchtet sie die Rolle der Spirale in der Kunst, gibt viele Beispiele für deren Umsetzung in Bildern, Installationen und Bauwerken und erklärt, wie und warum Künstler Spiralen zeichnen. Dabei wird das Zusammenspiel von Kunst, Natur und Mathematik noch einmal sehr deutlich. Im mathematischen Teil des Kapitels klärt sie über Entstehung und Erforschung der Spirale auf, und wie die Spirale die Mathematik weitergebracht hat.
Ich würde "Ausgerechnet... Mathematik und konkrete Kunst" jedem empfehlen, der sich für das Entstehen von Kunst und die Rolle der Mathematik in dieser Entwicklung interessiert, aber auch schon Vorwissen mitbringt. Der Katalog hat in meinen Augen auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung, denn "Das entscheidende Kriterium ist Schönheit; für hässliche Mathematik ist auf dieser Welt kein beständiger Platz." (Godfrey Harold Hardy, 1922).
Außerdem ist es besser geschrieben als Mathematik Lehrbücher :)
Wer das Buch auch gern mal lesen möchte:

Titel: Ausgerechnet... Mathematik und konkrete Kunst

ISBN: 978-3-88778-316-7 (Spurbuchverlag)