Astronomiegeschichte

Astronomiegeschichte

Ausgewählte Beiträge zur Entwicklung der Himmelskunde

Prof. Dr. Dieter B. Herrmann

In dem Buch vom Professor Herrmann geht es wie schon der Titel sagt, über die geschichtliche Entwicklung der Himmelskunde auch Astronomie genannt. Er sammelte in seinen Buch viele Beiträge aus verschiedenen Ländern, von unzähligen Schriftstellern, aus den unterschiedlichsten Jahrhunderten und aus einer Menge von Archiven. Meines Erachtens nach hat sich seine Arbeit gelohnt. Er hat auf über 300 Seiten Astronomiegeschichte aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln gezeigt. Aber nicht das man jetzt denkt er hätte es wie ein Geschichtsbuch nach einander aufgeschrieben. Im Buch sind die Geschichten oder die Geschichte in fünf größere Komplexe unterteilt:
- Probleme und Lösungen
- Wie Wissenschaftler die Wissenschaft organisieren
- Maß und Zahl - Wissenschaftsgeschichte quantitativ
- Über spekulative Elemente in der Wissenschaft
- Vermischte Beiträge
Diese haben dann noch Kapitel welche auch wieder Kapitel haben. Das ist etwas Positives, denn die einzelnen Kapitel sind auch nicht unbedingt Inhaltlich aneinander gebunden, so kann man sich die Sachen raus suchen die ein Interessieren oder die weglassen die einen eher weniger Ansprechen. Schön waren im Buch auch die kleinen Geschichten die sozusagen als Beispiel dienten. Eine davon werde ich jetzt als Kostprobe in meine Buchvorstellung einfügen: Auf Seite 306
>Bei manchen alten Kulturvölkern gab es ausgesprochene Handlungsvorschriften, die einen engen Zusammenhang zwischen Sternkunde und Staat erkennen lassen. So glaubten zum Beispiel: die alten Chinesen im dritten Jahrtausend v. Chr., dass besondere Ereignisse am Himmel durch ungesetzliches Verhalten des Kaisers oder seiner Minister verursacht seien und das die Ordnung nur durch Buße des Kaisers wiederhergestellt werden könne. Deshalb war es auch von äußerster Wichtigkeit, dass die Sternkundigen des kaiserlichen Hofes von jeder außergewöhnlichen Erscheinung am Himmel berichteten Verabsäumten sie dies, so konnten sie mit dem Tode bestraft werden.<...>In diesen Erzählungen wird behauptet, die chinesischen Kaiser seien von ihrem Volk als uneingeschränkte Herrscher nicht zuletzt deswegen anerkannt worden, weil selbst die Gestirne des Himmels ihre Befehle willig befolgten. Dieser Glaube hätte sich darauf gestützt, "dass der Herrscher in der Lage war, wann immer er wollte, Mond oder Sonne verfinstern zu lassen". Nur wenige Gelehrte hätten gewußt, "dass nicht die Sonne nachdem Kaiser, sondern der Kaiser sich nach der Sonne richtete". Nach einem angeblich überlieferten Bericht aus der Urkundensammlung "Shuching" sollen die chinesischen Sternkundigen Hi und Ho schon vor über 5000 Jahren in der Lage gewesen sein, das Eintreten einer Sonnenfinsternis exakt im voraus zu berechnen. Hi und Ho sollen demnach durch eine List in den Besitz von Informationen über Sonnenfinsternisse gekommen sein, die sei selbst gar nicht besaßen. Als nämlich der Hochgelehrte "Kung" in plötzlicher Leidenschaft zu der Geliebten des Herrn Ho entbrannte, versuchte er, sie durch seine astronomischen Kenntnisse zu beeindrucken. Dabei behauptete er eine Sonnenfinsternis im Voraus berechnen zu können. Als die Freundin davon berichtete, beschlossen Hi und Ho bei einem inszenierten Stelldichein zwischen der jungen Frau und dem alten Kung plötzlich aufzutauchen und den alten zu erpressen. Um sein Leben zu retten, mußte er das Datum der nächsten Sonnenfinsternis verraten und die Zwischenzeit in einem Verließ verbringen. Wenn die Finsternis vorüber wäre, würde er freikommen, versprachen Hi und Ho. Das pünktliche Eintreten der Finsternis festigte das Ansehen der beiden Erpresser, die inzwischen zu Leibastronomen des Kaisers aufgestiegen waren. Doch jetzt ließen Hi und Ho den Alten erst recht nicht frei. Wieder verlangten sie von im das Datum der nächsten Sonnenfinsternis. Doch ehe der Termin herangerückt war, starb der alte "Kung" in seinem Gefängnis. Als aber die Stunde der Finsternis nahte, begab sich der Kaiser auf den Turm des Tempels, um der sonne zu befehlen, sich vor dem versammelten Volk zu verdunkeln. Doch nichts geschah, selbst nachdem der Kaiser seinen Befehl siebenmal wiederholt hatte. Hi und Ho erkannten, das sie betrogen Betrüger waren und der alte Kung sich für die Wortbrüchigkeit gerächt hatte. Der blamierte Kaiser aber verurteilte seine beiden Hofastronomen zum Tode.
Bei dieser effektvollen Story handelt es sich offenkundig um ein Märchen. Denn erst seit dem 3. Jh. v. Chr. liegen Berechnungen von Finsternissen für die kaiserliche Hauptstadt vor, die jedoch noch sehr unzuverlässig waren, denn es sind 39 Fälle überliefert, in denen die berechnete Finsternis gar nicht eintrafen.<
Eines was mir am Buch auch gefallen hat, das es einen mir sehr gut gefallen Einstieg hatte.
Die Entdeckung des Uranus, der Entdeckungsvorgang und der Namensgebung aber dort sah ich auch das erste mal die Probleme.
Im Buch werden an manchen stellen so viele Jahreszahlen verwendet das man nicht mehr wirklich durchsieht und nur mit größeren Problemen weiter lesen kann. Dafür habe ich im nächsten Auszug ein Beispiel: Auf Seite 100
>Schon P.Bouquer (1698-1758) verglich das Sonnenlicht 1725 mit der Helligkeit einer Kerze /49/. Später wurden auch Vergleiche mit "intensiveren irdischen Lichtquellen" durchgeführt. So untersuchten z.B.A.H.L. Fizeau (1819-1896) und L.J.B. Foucault (1819 bis 1869) das drummondsche Kalklicht und den elektrischen Flammenbogen fotometrisch.< Und die Textstelle geht weiter so.
Was mir immer mehr beim weiterlesen aufgefallen ist, ist das das Buch ein gewisses Grundwissen voraussetzt und ein damit verbundenes großes Interesse. Wenn man nicht wenigstens eines von beiden besitzt, dann würde ich empfehlen erst einmal ein anderes Buch zu lesen. Alles im allen ein gutes Buch.

Valentin Hübner