Ethik

Buddhismus

DIE BUDDHISTISCHE LEHRE

DIE VIER EDLEN WAHRHEITEN:

 

StatueEs erschienen bereits früh als Ursprung der Verkündigung des Buddha, die vier edlen Wahrheiten. Die Menschen geben sich selbst Stabilität und Identität.

1. Wahrheit: Die Wahrheit vom Leiden, man erkennt dass alles Verlangen nach vergänglichen Dingen leidvoll ist und zur Frustration führt.

2. Wahrheit: Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens. Durst nach "entwerden", nach Sinnesgenuss, der Durst welcher die Wiedergeburt hervorruft, der seine Freude finden kann, bei dem Freude und Leidenschaft Begleiter sind.

3. Wahrheit: Die Wahrheit von der Überwindung des Leidens. Es besteht die Möglichkeit, den leidvollen Zustand zu beenden und sich von ihm zu befreien.

4. Wahrheit: Die Wahrheit vom Weg der Überwindung des Leidens

Dies ist der edle Achtteilige Pfad

(Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, Buddhismus & Hefter)

Maitreya, er ist ein kommender Buddha der die buddhistische Lehre erneuern soll.

 

DER EDLE ACHTTEILIGE PFAD:

Der edle Achtteilige Pfad wurde in allen Schulen und zu allen Zeiten begangen und gepflegt. Er gehört zur Grundlage der buddhistischen Praxis und Lehre. Diese acht Gesichtspunkte wirken aufeinander ein und werden gleichzeitig geübt. Die Ethik konkretisiert die acht Glieder des Buddhismus. Sie ist zu allen Lebewesen von der Grundhaltung der liebevollen Güte und der heilenden Hinwendung geprägt. Wenn man von der liebevollen Güte gereinigt wurde, ist das Ziel der Befreiung erreicht, man lässt den Streit über Ansichten der Philosophie hinter sich und ist dem Kreislauf der Wiedergeburten enthoben.

(Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, Buddhismus)

Die einzelnen Glieder des achtteiligen Pfades:

  1. rechte Anschauung

  2. rechte Gesinnung

  3. rechtes Wort

  4. rechte Tat

  5. rechtes Streben

  6. rechtes Überdenken

  7. rechte Einswerdung

(siehe Anna`s eigener Hefter)

Die Glieder werden immer mit dem Begriff samyak beschrieben, dieser bedeutet meist recht.

(Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, Buddhismus)

 

DIE FÜNF DASEINSFAKTOREN:

Es werden in der frühbuddhistischen Philosophie fünf Gruppen unterschieden. Aggregate oder Wirklichkeitsbereiche wirken zusammen und dadurch besteht der Mensch. Diese Faktoren bilden den Menschen in der Person, als beständige, rasch vergängliche Kombination. Diese wandelt ihr Dasein in jedem Moment. Dadurch gibt es keine Seele und kein beständiges, eigenständig existierendes Selbst, welches im Wechsel der Erscheinungen durchhält.

(Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, Buddhismus)

Die Fünf Daseinsfaktoren lauten:

  1. der physische Körper der die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft enthält

  2. die Empfindung bzw. das Gefühl, das als Reaktion auf Sinneseindrücke oder Gemütsbewegungen entsteht

  3. die unterscheidende Wahrnehmung äußerer Objekte

  4. die Willens- und Geistesregungen, die auf die Wahrnehmung reagieren und interpretieren

  5. die Bewusstseinskraft, die alle anderen Ebenen koordiniert und zu einer zielgerechten Gesamtheit zusammenfasst

(Microsoft Encarta Enzyklopädie, Buddhismus)

 

DAS ENTSTEHEN IN GEGENSEITIGER ABHÄNGIGKEIT:

Dies ist die Lehre der Verbundenheit der Organe aller Erscheinungen. Die Glieder sind in einer Kette aufgereiht und enthalten sich alle gegenseitig und deshalb tragen sie alle Möglichkeiten und Wirklichkeiten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich.

Die Erscheinungen in der Kette sind jeweils Bedingung der anderen, die Erscheinungen der Wirklichkeit sind wechselseitig voneinander abhängig. Die Einsicht dieser Kette befreit aus dem Gefangensein in ihr. (Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie; Buddhismus)

Das Prinzip der Kette:

Aus Unwissenheit (1) entstehen psychische Gestaltungen und Einprägungen (2), aus denen nach dem Tod ein spezifischer Bewusstseinszustand (3) als Träger einer neuen Existenz entsteht; davon abhängig entwickeln sich Name und Form (4), das heißt psychische Faktoren und Körper, sowie der sechsfache Bereich (5), die sechs Sinnesorgane (die fünf Sinne und das Denken); daraus folgt die Berührung (6) der Sinnesorgane mit ihren Objekten; hieraus wiederum entstehen die Empfindungen (7), die ihrerseits die Gier (8), den Durst nach den Objekten und dem Dasein entstehen lassen; damit führen sie nach dem Tod zum Ergreifen (9) eines neuen Mutterschoßes, zum Werden (10), zur neuen Geburt (11) und damit wieder zum Alter und Tod. (Microsoft Encarta Enzyklopädie, Buddhismus)

 

NIRVANA:

Es wird als Zustand eigener bewusster Existenz und vom Freisein des Leidens beschrieben.

Dem Begehren, allen bedingten Bewusstseinszuständen, den Daseinsgrundlagen, dem Leid und der Frustration wird ein Ende gesetzt. Es bedeutet die Vernichtung des Verlangens und den Leidenschaften. Wenn das Nirvana erreicht wurde bedeutet dies das Ende der Wiedergeburt. Man kann das Nirvana nicht richtig beschreiben, sondern man muss es selbst erfahren. (Vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, Nirvana & Buddhismus)

Arbeitsblatt zu einem Nietzsche Vortrag

Lebenslauf

1844 Nietzsche wird am 15 Oktober in Röcken geboren

1854 Schreibt seine ersten Gedichte mit 10 und hat mit 12 schon erste Autobiographie veröffentlicht (also schon ein Leben gelebt)

1858-64 Landesschule Pforta (freien Geist gefördert, harte Disziplin)

1864-67 Studium der Theologie (Lehre der Bibel), Philologie (Lehre der (klassischen) Sprache),

Militärdienst. Freundschaft mit Richard Wagner

Nietzsche erhält Doktorgrad, Berufung als außerordentlicher Professor für griechische Sprache und Literatur an die Uni Basel

1870 Freiwilliger Krankenpfleger im Deutsch- Französischen Krieg

1879 10 Jahre als freier Philosoph in Venedig, Genua, Sorrento, Rapallo und Nizza tätig.

1889 Psychischer Zusammenbruch - „Lebte auf Balkon“

1900 25. August, Nietzsche stirbt in geistiger Umnachtung in Weimar

 

Wichtige Werke:

Menschliches, Allzumenschliches (1878); Also sprach Zarathustra (1883); Jenseits von Gut und Böse (1886)

 

Warum machten die Nazis aus Nietzsche einen Volkshelden?

Nutzten nur Übermensch und Wille zur Macht!!! Haben sich aber nie die Mühe gemacht diese hochkomplizierten Schriften zu lesen, sondern griffen nur die Begriffe auf, welche sie positiv für sich nutzen konnten und interpretierten sie selbst. Doch wie sollten die Nazis Nietzsche verstehen, wenn er von sich selbst behauptete, dass man ihn erst im Jahr 2000 richtig verstehen würde?!

Philosophie:

Vorbemerkung

  • keine Kategorie

  • Viel mehr als nur Zerstörer

  • War Musiker, Dichter(hohes Sprachniveau), Philosoph

 

    1. Schaffensperiode

      Interessiert sich für das Griechentum und stößt dabei auf zwei polare Kräfte:

      Das „Apollonische“ (Vernünftige, harmonische) und das „Dionysische“ (Rauschartige, Rasende). In der antiken Tragödie verschmolzen diese beiden Kräfte, er wünschte sich so was auch für Deutschland durch Wagner

      Bruch mit Wagner, Bayreuther Festspiele, wegen Wagners Hang zum Antisemitismus und Nationalismus.

 

  1. Schaffensperiode

    • Philosophie des Vormittags“

    • Kritik an Dekadenz (Moral, Religion, Werte)

    • Nietzsche philosophiert mit dem Hammer

    • Ist antimoralistisch

    • Ist antidemokratisch

    • Ist antipessimistisch

    • Ist antichristlich

    • Kritik an Verweichlichung und Zufriedenheit der Menschen

    • Kritik an der Metaphysik

 

  1. Schaffensperiode

  • Er wird zum Nihilist (radikale Ablehnung des Bestehenden/Gott tot). Sagt ja zum Leben! Gott starb und mit ihm starb das Jenseits, jetzt ist Diesseits angesagt.

    (wenig Zeit, darum nur das Bekannteste)

 

  • Wille zur Macht

    Macht von Machen. Der Wille das man sich selbst verwirklicht und selbst etwas tut und vor allem immer wieder anfängt

 

  • Wiederkehr des ewig Gleichen (und nicht des ewig Selben)

    Alles was man irgendwann mal erlebt hat (Siege, Niederlagen, Liebe, Hass) wird immer wieder kommen, aber in anderer Form

 

  • Übermensch

    Hat den Mensch überwunden, hat den Willen zur Macht, weiß um den Tod Gottes, lebt in einer dionysischen Welt, ist Lebensbejahend, ist nicht die Höchstform des Menschen (Souveräner Mensch), hat drei Wandlungsstufen erfolgreich durchlaufen. (Vertreter Nietzsches Philosophie)

 

  • Drei Wandlungsstufen

    Charakterisierung

    Das Kamel

    Der Löwe

    Das Kind

    Zweck der Stufe

    das Richtige lernen

    sich gegen das
    Gefälschte wehren

    vergessen

    Sozialverhältnis

    einsam

    widerspenstig

    vergnügt

    Gleichnis

    in die Wüste gehen

    den Drachen töten

    Unschuld,
    ein aus sich rollendes Rad

    • Kamel ist Ausgangsform

    • Sinn ist es sich Frei zu machen, alles in Frage zustellen, ohne Rücksicht auf alles

    • Man kommt an Punkt des Unbekannten, welches man restlos durchschauen muss

    • Dann bricht der Löwe aus

    • Brüllt und schlägt um sich

    • Alles ehemalig heiliges wird zerstört und Überrannt(Kollegen und Familie die Meinung geigen)

    • Dadurch gelangt man zu seinen eigenen Werten (Umwertung aller Werte)

    • Danach kann man ganzen Ärger hinter sich lassen  man wird unschuldig

    • Man hat die absolute Macht über sich selbst Übermensch/Souveräner Mensch

 

  • Umwertung aller Werte

    • Man zerstört die Vorgesetzten Normen und schafft sich eigene

    • Jeder soll sich selber Werte/Regeln schaffen, die er einhalten will

    • Unter den Regeln anderer würde man zugrunde gehen

 

Fragen

  1. Wie machten sich die Nazis Nietzsches Philosophie zu nutze?

  2. Gib ein Beispiel für die Wiederkehr des ewig Gleichen aus deinem eigenen Leben an.

  3. Weshalb wird Nietzsche zu den „philosophischen“ Nihilisten gezählt?


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Vorschlag für einen 2. Philosophentest

Philosphiefragen 2. Teil

  1.  Schopenhauer
    1. Wann und wo ist er geboren und gestorben(2)?

    2. Wie heißt sein Hauptwerk (1)?

    3. An was hat Schopenhauer geglaubt (3)?

 

  1.  Nietsche
    1. Wie machten sich die Nazis seine Philosophie zu nutze (2)?

    2. Weshalb wird Nietsche zu den philosphischen Nihilisten gezählt(1+1)? -schließt die Begriffserklärung Nihilisten mit ein.

    3. Erläutere ein Beispiel für die „ewige Wiederkehr des Gleichen“ aus deinem eigenem Leben (3).

 

  1.  Kant
    1. Nenne drei Werke Kants (3).

    2. Was heißt „a priori“ (1+1) (Übersetzung und Bedeutung)?

    3. Was heißt „a postiori“ (1+1)?

  1.  Kierkegaard
    1. Was löste seine Lebenskrise aus (1)?

    2. In welche 3 Stadien teilt Kierkegard den Lebensweg (3)?

    3. Gegen welche Epoche richtete er sich (1)?

 

  1.  Arendt
    1. nenne drei Bücher von Hannah Arendt (3).

    2. Wieso wurde sie in Deutschland verhaftet (1)?

    3. Was war ihre Grundforderung (1)?

 

    1.  Rotterdam
      1. Worüber schrieb Erasmus von Rotterdam in seinem ersten bedeutenden Werk (1)?

      2. Welche seiner Bücher sind am bekanntesten (2)?

      3. Was war sein Wahlspruch (1)?

 

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Vorschlag für einen Philisophentest

Kleiner Philospohietest mit Fragen, die aus Vorträgen heraus formuliert wurden.

Arbeit zur Philosphie Teil 1.

  1. Plato(n)
    1. Nenne 4 biographische Daten Platons
    2. Analysiere das Höhlengleichnis (8)
    3. Wie ehrte Platon seinen Lehrer, was heißt sokratische Methode (6)
  1.  Pythagoras
    1. Wann und wo wurde Pythagoras geboren und wo und wann starb er? (1)
    2. Wieso sind keine Originalschriften der Pythagoreer vorhanden? (3)
    3. Wie so löste sich der historische Pythagoreerbund auf? (1)
  1.  Zenon
    1. Was sind die 4 Hauptugenden nach seiner Philosphie? (4)
    2. Wie hieß seine Schule und wann gründete er sie? (2)
    3. Wie starb er? (1)
  1.  Heraklit
    1. Nenne die Lebensdaten Heraklit (1)
    2. Notiere seine drei Haupgedanken (3)
    3. Wie hieß das von ihm verfasste Buch, dessen Sinn bis heute nicht ganz klar ist? (1)
  1. Descartes
    1. Wan wurde D. Geboren bzw. wann starb er? (2)
    2. Welches ist der berühmte Satz, den er zum Ausgangspunkt seines philosophischen Systems machte? (2)
    3. Welche drei Teile enthält seine Abhandlung über die Wissenschaft? (3)
  1.  Kant
    1. Wann und wo wurde Imanuel Kant georen bzw. starb er? (1)
    2. Wie verlief sein philosphischer Weg? (3)
    3. Wie lautet der Leitspruch der Aufklärung? (2)

 

I. Vom Leben in der Höhle

»Hierauf vergleiche nun, fuhr ich fort, unsere Natur in Bezug auf Bildung und Unbildung mit folgendem Erlebnis. Stelle dir Menschen vor in einer unterirdischen, höhlenartigen Behausung; diese hat einen Zugang, der zum Tageslicht hinaufführt, so groß wie die ganze Höhle. In dieser Höhle sind sie von Kind auf, gefesselt an Schenkeln und Nacken, so dass sie an Ort und Stelle bleiben und immer nur geradeaus schauen; ihrer Fesseln wegen können sie den Kopf nicht herumdrehen. Licht aber erhalten sie von einem Feuer, das hinter ihnen weit oben in der Ferne brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefesselten aber führt oben ein Weg hin; dem entlang denke dir eine kleine Mauer errichtet, wie die Schranken, die die Gaukler vor den Zuschauern aufbauen und über die hinweg sie ihre Kunststücke zeigen. - Ich sehe es vor mir.

Stelle dir nun längs der kleinen Mauer Menschen vor, die allerhand Geräte vorübertragen, so, dass diese über die Mauer hinausragen, Statuen von Menschen und anderen Lebewesen aus Stein und aus Holz und in mannigfacher Ausführung. Wie natürlich, redet ein Teil dieser Träger, ein anderer schweigt still. - Ein seltsames Bild führst du da vor, und seltsame Gefesselte, sagte er.

Sie sind uns ähnlich, erwiderte ich. Denn erstens: glaubst du, diese Menschen hätten von sich selbst und voneinander je etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, die das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Seite der Höhle wirft? - Wie sollten sie, sagte er, wenn sie zeitlebens gezwungen sind, den Kopf unbeweglich zu halten?

Was sehen sie aber von den Dingen, die vorüber getragen werden? Doch eben dasselbe? - Zweifellos. - Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, sie würden das als das Seiende bezeichnen, was sie sehen? -Notwendig.

Und wenn das Gefängnis von der gegenüberliegenden Wand her auch ein Echo hätte und wenn dann einer der Vorübergehenden spräche - glaubst du, sie würden etwas anderes für den Sprechenden halten als den vorbeiziehenden Schatten? - Nein, beim Zeus, sagte er. - Auf keinen Fall, fuhr ich fort, könnten solche Menschen irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener künstlichen Gegenstände. - Das wäre ganz unvermeidlich, sagte er.

II. Der Austritt aus der Höhle

Überlege dir nun, fuhr ich fort, wie es wäre, wenn sie von ihren Fesseln befreit und damit auch von ihrer Torheit geheilt würden; da müsste ihnen doch naturgemäß folgendes widerfahren: Wenn einer aus den Fesseln gelöst und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals zu wenden, zu gehen und gegen das Licht zu schauen, und wenn er bei all diesem Tun Schmerzen empfände und wegen des blendenden Glanzes jene Dinge nicht recht erkennen

könnte, deren Schatten er vorher gesehen hat - was meinst du wohl, dass er antworten würde, wenn ihm jemand erklärte, er hätte vorher nur Nichtigkeiten gesehen, jetzt aber sei er dem Seienden näher und so, dem eigentlicher Seienden zugewendet, sehe er richtiger? Und wenn der ihm dann ein jedes von dem Vorüberziehenden zeigte und ihn fragte und zu sagen nötigte, was das sei? Meinst du nicht, er wäre in Verlegenheit und würde das, was er vorher gesehen hat, für wahrer (wirklicher) halten als das, was man ihm jetzt zeigt? - Für viel wahrer (wirklicher), erwiderte er. Und wenn man ihn gar nötigte, das Licht selber anzublicken, dann schmerzten ihn doch wohl die Augen, und er wendete sich ab und flöhe zu den Dingen, die er anzuschauen vermag, und glaubte, diese seien tatsächlich klarer als das, was man ihm jetzt zeigt? -Es ist so, sagte er.

Schleppte man ihn aber von dort mit Gewalt den rauhen und steilen Aufgang hinauf, fuhr ich fort, und ließe ihn nicht los, bis man ihn an das Licht der Sonne hinausgezogen hätte - würde er da nicht Schmerzen empfinden und sich nur widerwillig so schleppen lassen? Und wenn er ans Licht käme, hätte er doch die Augen voll Glanz und vermöchte auch rein gar nichts von dem zu sehen, was man ihm nun als das Wahre bezeichnete? - Nein, erwiderte er, wenigstens nicht im ersten Augenblick.

 

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Gedanken zur Fahrt nach Auschwitz

Auschwitz

Vor ungefähr 5 Monaten kam eine aufgekratzte Doreen zu uns und erzählte ganz aufgeregt davon, dass wir etwas ganz tolles erleben dürfen und das sie da leider nicht mitfahren kann und Peter auch nicht, aber dafür Thomas und dass dies eine Belohnung dafür sei, das wir eine so gute Französische Revolution gespielt hätten, und ... . Auch wenn wir erst Mal nicht wussten worum es ging hörte wir dann doch alle sehr gespannt zu. Und dann platzte der Knoten und es hieß: "Ihr dürft für eine Woche nach Auschwitz fahren!"

Es gibt zu diesem Thema in der Klasse ebenso viele Wissenslücken, wie Leute die gut darüber Bescheid wissen. Trotzdem hatte prinzipiell niemand etwas dagegen einzuwenden.

Es war also beschlossene Sache, wir fahren nach Auschwitz! Um dort aber nicht total uninformiert hinzufahren, erlebten wir so etwas wie einen Crash-Kurs in Sachen Holocaust. Jeder musste ein Buch zu diesem Thema lesen, in fast jedem Fach unterhielten wir uns über den Holocaust und wir schauten "Schindlersliste". Den Höhepunkt unseres vorab Informationsprogramm stellte ein Zeitzeugengespräch mit dem Chemnitzer Juden Justin Sonder dar. Und damit fing es eigentlich so richtig an, das was mir auch jetzt noch Beklemmungen verursacht und nicht nur mir.

Wie tritt man als deutscher Jugendlicher einem Menschen gegenüber, der in Auschwitz war? Wie verhält man sich? Was soll man sagen? Was kann man sagen? Für viele ist das jetzt vielleicht eine sehr einfache Entscheidung, man sollte doch Demut und Respekt zeigen und eine gehörige Portion Schuldbewußtsein mitbringen. Aber ist das wirklich so einfach? Klar habe ich Respekt vor so einem Menschen, vor jeder einzelnen Sekunde sogar, in der er sich in Gefangenschaft befunden hat, aber schuldig? Nein, schuldig fühle ich mich nicht und ich schäme mich auch nicht dafür, denn es betrifft mich doch nur mit 4 Generationen Abstand. Ich fühle mich nicht schuldig, nein, aber ich fühle mich verantwortlich dafür zu sorgen, dass so was nie wieder passiert. Ich glaube, dass wir uns spätestens nach dem Zeitzeugengespräch alle verantwortlich gefühlt haben, aber trotzdem, die Beklemmung wollte einfach nicht von uns weichen. Speziell mich lies sie die ganze Fahrt mit dem Bus nach Auschwitz nicht los. Konnte man fröhlich Skatspielen, mit dem Wissen an einen Ort zu fahren der für 2.000.000 den Tod bedeutete? Kann man auf einer Studienfahrt nach Auschwitz lachen? Und kann man mit einem Bus nach Auschwitz fahren auf dem ganz dick und fett der Name des Busunternehmens "Heilmann" stand?

Auf all diese Fragen hatte ich keine Antwort, aber ich hoffte sie in der nächsten Woche zu finden. Uns erwartete eine sehr gut ausgestattete Jugendbegegnungsstätte, die in uns sofort die Erinnerung an eine Klassenfahrt weckte. Noch am selben Abend saßen wir mit einer Cola gemütlich beim Skatspielen.

Am ersten richtigem Tag besuchten wir das Stammlager, sowie am Nachmittag Birkenau. Es war eine sehr unangenehme Situation in der wir uns befanden. Zum einen hatten wir wohl alle Ehrfurcht vor diesem Ort und die Berge von Menschenhaaren verstörten uns stark, zum anderem mussten wir Plakate über Auschwitz anfertigen und dazu gehörten halt auch Fotos! Und so waren wir im Stammlager: Eine Horde Schüler, geleitet von einem "Führer", jeder mit Fotoapparaten und/oder Diktiergeräten ausgestattet. Wir erweckten wohl eher den Anschein einer Touristengruppe bei den Pyramiden, als eine betroffene, um Informationen bemühte Klasse. Überhaupt kam mir das Stammlager fast wie eine Attraktion für "Touris" vor, mit den vielen Reisegruppen und mit den Bussen vor dem Eingang. Mir wurde im Nachhinein erst bewusst, dass ich, als wir die Verbrennungsöfen erreichten, einfach mal so in die Öfen rein fotografiert habe... . Am Nachmittag war Birkenau dran. Hier waren nicht so viele Leute wie im Stammlager, es war aber auch nicht mehr viel erhalten. Wobei gerade dies das Verstörende war: Eine riesige Fläche hinter Stacheldraht auf denen nur noch die Grundmauern und die Schornsteine der einzelnen Baracken standen, soweit das Auge reicht...

Es erinnerte ein wenig an Buchenwald, denn auch dort ist nicht mehr viel erhalten geblieben und das Bedrückende ist die Leere von der man weiß, das sie einmal voll mit eingesperrten Menschen war.

Auch wenn es eine Vielzahl an Informationen an diesem Tag war, verstehe ich trotzdem nicht warum einige aus unserer Klasse in Birkenau ein Wettrennen veranstalten mussten... .

Am nächsten Tag hatten wir Zeit für uns, was viele auch dringend brauchten. Aber der übernächste Tag hatte es in sich. Zuerst ein Zeitzeugengespräch mit einem politischem Gefangenen polnischer Herkunft und danach wollten wir noch den Film anschauen, den sowjetische Soldaten damals bei der Befreiung des Lagers filmten. Es ist ein sehr komisches Gefühl, wenn man mit dem Wissen und den Eindrücken des Geschehenem, einem Menschen gegenüber tritt, der diese Hölle überlebt hat. Und nicht nur ich stellte mir die Frage, wie ein Mensch uns so lieb gegenübertreten kann, obwohl wir die Sprache sprechen, die für ihn das schlimmste symbolisierte und Zeichen eines Terrorregimes war. Und noch mehr beschäftigte uns wohl die Frage, wie Menschen so etwas tun können. Denn man sollte angesichts der schrecklichen Dinge die unter deutschem Namen passiert sind, nie vergessen dass es Menschen und keine Teufel waren, die das Begangen haben.

Wenn ich mir früher einen Film mit toten Menschen angeschaut habe und es mir zu grauenhaft wurde, tröstete ich mich immer damit, dass es doch Schauspieler waren denen nichts passiert ist. Als wir uns den Film über die Befreiung des Lagers anguckten, hätte ich mich gern so getröstet, aber es ging nicht! Denn jeder wusste, dass es echte Menschen waren, deren Überreste auf einem Scheiterhaufen lagen und deren Augen uns hilfesuchend anblickten. Ich glaube, dass erst der Film uns gezeigt hat, was Auschwitz wirklich war! Auch wenn wir uns hinterher über die Frage unterhielten, ob es denn nicht pervers sei, sich so etwas anzuschauen. Auch wenn auf der Rückfahrt viele schliefen, hatte ich doch das Gefühl, das es ruhiger als sonst war. Denn das, was wir gesehen und erlebt hatten, beschäftigte wohl immer noch jeden einzelnen von uns.

Als wir wieder zu Hause waren und einen die Eltern und Freunde fragten, wie es denn so war, antwortete ich immer unbewusst mit der gleichen Antwort: "Na ja, das es schön war kann man ja wohl schlecht sagen... Es war interessant, sehr interessant..."

Ob es uns was gebracht hat? Ja, da bin ich mir sicher! Ich hoffe, dass nun keiner aus unserer Klasse jemals wieder die Frage stellen wird: "Was ist ein KZ?" Außerdem ist mir aufgefallen, das ich seither auch jetzt noch manchmal meine Worte auf die Goldwaage lege und überhaupt hört man in unserer Klasse solche Sätze in der Art wie "Da müssen wir ja bis zur Vergasung Hausaufgaben machen..." seltener.

Und jeder von uns weis jetzt um die Verantwortung die wir tragen, damit man irgendwann mal ohne schlechtes Gewissen sagen kann, dass man stolz ist, ein Deutscher zu sein.


Paul- Christian Zerbe Klasse 9 Dezember 2003

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